Mit „Baby on Board“ in die Zukunft!

 

IMG 0360IMG 0362Am 17.11.2017 stellte die Feuerwehr Bielefeld den neuen Baby-Intensivtransportwagen, kurz B-ITW der Öffentlichkeit vor. Dieses Fahrzeug ist seit dem 01. Oktober 2017 auf der Hauptwache der Berufsfeuerwehr stationiert und im Einsatz. Hierbei handelt es sich nicht um ein neues Konzept, sondern eher um eine Weiterentwicklung. Denn schon im Jahr 2001 schaffte die Feuerwehr ein solches Fahrzeug an. Dieses ist aber, so die Aussage von Herrn Rainer Kleibrink Leiter der Feuerwehr Bielefeld, in die Jahre gekommen und bedurfte daher einer Neuanschaffung. Jedes Jahr wurden mit dem KIM (Kinderintensivmobil), so war die Bezeichnung des 2001 beschafften Fahrzeugs, ca. 300 Einsätze gefahren.

Das neue Fahrzeug ist, so wie auch schon sein Vorgänger, auf einem Mercedes Benz Fahrgestellt aufgebaut, und ist von außen nicht von einem normalen RTW (Rettungswagen) der Feuerwehr zu unterscheiden. Doch die Unterschiede liegen im Detail.

IMG 0361Allein schon die verbreiterte Spurbreite und das luftgefederte Fahrgestell verbessern die Straßenlage des Fahrzeuges enorm und verhindern hierdurch die Übertragung von Straßenschäden auf den Fahrzeugaufbau. Der luftgefederte Tragetisch nimmt ebenfalls Erschütterungen auf und sorgt für eine schonende Lagerung des Inkubators.

Im Vorgängerfahrzeug wurde der Inkubator quer zur Fahrtrichtung gelagert, dies ergab für den Säugling eine schonendere Lagerung und erhöhte die Erreichbarkeit durch die Fahrzeugbesatzung während der Fahrt. Doch dieses Konzept brachte auch Probleme mit sich. Die alten Inkubatoren wurden im Krankenhaus auf einem Tragegestell transportiert und an das Fahrzeug herangeschoben, nun musste der Inkubator mit ca. 100kg Gewicht seitlich in das KIM verladen werden, und dies mit möglichst wenig Erschütterungen. Die Probleme ergaben sich schon darin, dass die nötigen Tragegestelle in Krankenhäusern eine Sonderanschaffung waren und nur für diesen einen Zweck bereit gehalten wurden. Diese waren dann entweder gar nicht vorhanden, oder in einem schlechten Zustand und somit auch nicht verwendbar.

Doch das war nicht das einzige Problem, oft sind die Einfahrten an den Krankenhäusern so eng, dass ein seitliches Verladen gar nicht möglich war.

 

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Im neuen B-ITW wurde daher auf eine Längslagerung gesetzt, und ein Tragetisch verbaut. Dies hat den großen Vorteil, dass der Inkubator bereits auf einem Tragegestell verbaut ist, somit bringt der B-ITW ein komplettes Transportsystem mit und ist nicht mehr auf die Krankenhäuser angewiesen.

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Der Tragetisch ist mit einem automatischen Trageeinzugsystem ausgestattet, somit kommt es beim Verladen des Inkubators zu wenig Erschütterungen und das Bedienen ist für die Fahrzeugbesatzung rückenschonender als alte Systeme. Während der Fahrt kann der Tragetisch in die Mitte des Fahrzeuges verfahren werden und nutzt somit die breite Spurlage aus.

Das Inkubatorsystem stammt von der Firma MEDCARE®-Vision und hat die Modellbezeichnung NeoSAVE 3. Einer dieser Inkubatoren hat einen Preis von 112.771€, hiervon wurden für den B-ITW 2 Komplettsysteme angeschafft um auch während Wartungs- und Reinigungszeiten ein Redundanzsystem vorhalten zu können.
Das Transportinkubatorsystem besteht aus mehreren Bauteilen. Zum einen natürlich aus dem Tragegestell von der Firma Ferno, hierbei wurde auf ein Ferno-Roll-In-Fahrgestell gesetzt. Des Weiteren ist ein ständig beheizter Doppelwandinkubator verbaut, dieser ist mit mehreren Öffnungen ausgestattet um eine Behandlung des Säuglings zu gewährleisten. Für die Sicherheit sorgen hier eine Gelmatratze und ein Fixierungssystem. Des Weiteren wurde ein eigenes Beatmungsgerät, vier Braun Perfusor-Spritzpumpen und ein Absaugsystem verbaut. Alle Systeme arbeiten autark zum Bordsystem des Fahrzeuges und gewährleisten hierbei einen sicheren Transport auch nach dem Entladen aus dem B-ITW, hierfür sorgen eigene Akkupacks und Sauerstoffflaschen fest verlastet im Tragegestell.

 

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Eine Rückfahrkamera sorgt für ein sicheres Einparken an den Krankenhäusern, sorgt aber auch für eine lückenlose Kommunikation zwischen Fahrer und Pflegebesatzung. Während der Fahrt schaltet diese um und zeigt ein Livebild des Innenraums. Dieses System ergänzt die Gegensprechanlage die ebenfalls verbaut ist.

 

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Da für den normalen Bürger ein Erkennen des Fahrzeugs als B-ITW nicht möglich ist, wurde ebenfalls eine LED-Anzeige in der Hecktür verbaut, die während des Transports „Baby on Bord“ als Laufschrift anzeigt. Dies soll andere Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen und erklären warum ein Rettungswagen mit eingeschalteter Sondersignalanlage aber im Schleichtempo durch die Stadt fährt. Diese Fahrweise ist nötig um den besonders schonenden Transport von Säuglingen zu gewährleisten.

So ein aufwändiges System hat natürlich seinen Preis. Das gesamte Fahrzeug ohne Medizingeräte (inkl. 2 Intensiv-Transport-Inkubationstemperatur) kostet 384.158€ Doch hat die Vergangenheit gezeigt, dass ein solches Fahrzeug notwendig ist. In ganz Ostwestfalen ist dieses Fahrzeugkonzept einzigartig und beruht auf einer Kooperation zwischen der Feuerwehr Bielefeld und dem Evangelisches Klinikum Bethel seit 1969.

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