Feuerwehr und Rettungsdienst trainieren für den Ernstfall

Am Samstagmorgen des 01. April 2017 fand in Bielefeld-Gellershagen eine Großübung für Feuerwehr, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen statt.

1Als Übungsobjekt diente das ehemalige Studentenwohnheim in der Stennerstraße, das in den nächsten Wochen einem geplanten Neubau weichen wird. Das Objekt bot ideale Voraussetzungen für eine Einsatzübung unter realistischen Bedingungen. Über 50 Mitglieder der DLRG Paderborn, der Jugendfeuerwehr Bielefeld und des Jugendrotkreuzes sorgten als Verletzten- bzw. Betroffenendarsteller mit geschminkten „Verletzungen“ für eine realitätsnahe Übungssituation.

Ziel der Großübung „Qualmende Hütte“ mit insgesamt rund 200 beteiligten Einsatzkräften war, die Zusammenarbeit der verschiedenen Dienstleister des Rettungsdienstes und der Gefahrenabwehr zu erproben und festzustellen, inwieweit die „Dienstliche Weisung Massenanfall von Verletzten, Erkrankten und Betroffenen“ intensiver geschult oder weiter überarbeitet werden muss. Der Ablauf der Einsatzübung wurde daher von rund 20 Beobachtern begleitet, die alle getroffenen feuerwehrtaktischen, medizinischen und organisatorischen Maßnahmen auswerten und für spätere Übungsnachbesprechungen, Konzeptanpassungen und Fortbildungen aufbereiten. Ergänzend wurde hierbei durch 6 Fotografen eine ausführliche Fotodokumentation und Luftbildaufnahmen mit einer Drohne erstellt.

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Das Übungsszenario: In dem mehrstöckigen Gebäude des Studentenwohnheims ist nach einer ausgedehnten nächtlichen Party mit Alkoholkonsum im Flurbereich des vierten Stockwerks ein Brand entstanden, der auf die Zimmer übergriff. Die restlichen Wohnungen und auch der Treppenraum füllten sich schnell mit Rauchgasen. Eine junge Frau ist in Panik aus dem Fenster des vierten Stockwerks gesprungen und liegt verletzt vor dem Gebäude. Eine weitere Frau steht im vierten Stockwerk am Fenster. Es werden im vierten Stockwerk noch mehrere Personen vermisst, andere Personen flüchteten durch den Treppenraum ins Freie. Hierbei stürzten auch einige Personen und blieben verletzt auf den engen Treppen liegen. Vor dem Gebäude laufen mehrere geflüchtete Personen aufgeregt umher.

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Der Übungsablauf: Nach Notrufeingang durch einen Anwohner entsendete um 9.11 Uhr die Leitstelle der Feuerwehr Bielefeld zunächst die Löschabteilungen Ubbedissen und Gellershagen, zwei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug zur Einsatzstelle.

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Nach der Lageeinschätzung durch einen Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort wurde um 9.18 Uhr von der Leitstelle aufgrund der ersten Rückmeldungen die Alarmstufe „ManV II“ (Massenanfall von Verletzten, Stufe II) ausgelöst. Hierbei wurde auch die gemeinsame Schnelleinsatzgruppe (SEG) der Hilfsorganisationen durch Digitalmeldeempfänger alarmiert; diese technische Ausstattung zur schnellen Alarmierung der Helferinnen und Helfer ist in Nordrhein-Westfalen durchaus nicht selbstverständlich. Die SEG Bielefeld kombiniert Personal, Fahrzeuge und Geräte von fünf Einsatzeinheiten (EE) des Landes Nordrhein-Westfalen mit Besetzung durch die Hilfsorganisationen sowie des Personals, der medizinisch-technischen Ausstattung und der Spezialfahrzeuge der Rettungsdienst Bielefeld gGmbH. Von den fünf Einsatzeinheiten (EE) werden eine EE durch den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), drei EE durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und eine EE durch die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) gestellt.

Die gemeinsame Rettungsdienstgesellschaft von ASB, DRK und JUH stellt mittels eines Einsatzleitwagen (ELW) den SEG-Einsatzführer (SEG-EL) sowie einen Gerätewagen Rettungsdienst (GW Rett) mit Erstversorgungscontainer (EVC) als Kernelement zu Verfügung.

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Im Verlauf der Einsatzübung wurden drei schwerverletzte Personen medizinisch erstversorgt, darunter die junge Frau, die aus dem vierten Stockwerk gesprungen ist und Mehrfachverletzungen erlitten hat. Die junge Frau, die am Fenster im vierten Stockwerk stand, wurde über eine Drehleiter der Feuerwehr gerettet. Eine weitere Person wurde in der Brandwohnung in einem verschlossenen Zimmer mit einem Herzkreislaufstillstand gefunden und musste reanimiert werden. Sechs Bewohner hatten schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen, wie leichte Brandwunden, schwerere Rauchgasvergiftungen und Knochenbrüche, die sie sich im Treppenhaus während der Flucht zugezogen haben. Dreizehn Personen erlitten leichte Verletzungen, in den meisten Fällen Rauchgasvergiftungen.

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Alle geretteten Personen wurden zunächst auf einem Parkplatz hinter dem Gebäude zu einer Patientenablage (PAL) gebracht. Hier fanden als Maßnahmen eine erste Sichtung der betroffenen Personen durch Notärzte und eine medizinische Erstversorgung der Verletzten durch Rettungsdienstpersonal statt, die von einem Leitenden Notarzt (LNA) koordiniert wurden.   

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Auf dem Parkplatz wurden weiterhin 30 Personen, die unverletzt aus dem Gebäude evakuiert wurden, von Betreuungskräften der SEG in einem eingerichteten Betreuungsplatz 50 versorgt.

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Im Anschluss folgte die Organisation und Durchführung des Transportes der medizinisch erstversorgten Verletzten durch Rettungswagen des Regelrettungsdienstes und Krankenwagen der SEG in das fiktive „Ländliche Klinikum Jöllenbeck (LKJ)“, dargestellt durch das Feuerwehrgerätehaus Jöllenbeck. Bei der dortigen Ankunft dokumentierten die Beobachter die durchgeführten medizinischen Erstversorgungsmaßnahmen und den Transport für die Gesamtauswertung der Einsatzübung.

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Abschließend wurden am Gerätehaus Jöllenbeck kurze Feedbacks an die teilnehmenden Einsatzkräfte gegeben. Zur Stärkung der rund 200 Übungsteilnehmer gab es zum Übungsende eine vom DRK zubereitete Erbsensuppe mit Bockwurst.

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Anhand der ausführlichen Dokumentation wird nun in den nächsten Tagen die fachspezifische Auswertung der Einsatzübung „Qualmende Hütte“ erfolgen.