Die Anfänge der organisierten Brandbekämpfung Theesen

Während noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Bekämpfung von Bränden hauptsächlich durch gegenseitige Hilfe der Bevölkerung, insbesondere der Nachbarn, von statten ging, wobei hauptsächlich die in jedem Haus befindlichen Löscheimer zur Wasserförderung dienten, und die Brandbekämpfung auch aufgrund der Fachwerkbauweise mit Strohdächern sehr ineffektiv war, ging man dazu über, in den einzelnen Bezirken Löschabteilungen zu gründen, von denen man sich bessere Brandbekämpfung erhoffte. So ist es zu erklären, dass es auch in Theesen gemeinsam mit der Bauerschaft Gellershagen Bestrebungen gab, eine eigene Löschabteilung zu gründen. Der erste Versuch der Gründung ist auf den 17. April 1900 zu datieren. 39 Personen aus Theesen und Gellershagen wurden auf einer an diesem Tage stattfindenden Versammlung vorstellig und wählten sogleich den Landwirt Theodor Meyer zu Drewer zu ihrem Löschabteilungsführer. Da allerdings eine Bestätigung dieser Wehr durch das Amt Schildesche nicht erfolgte, war dieses Projekt zunächst zum Scheitern verurteilt. Erst eine erneute Gründung im Jahre 1903 unter dem Hauptmann Wilhelm Bültmann führte durch besondere Vermittlung der Gemeindevorsteher Meyer zu Jerrendorf aus Theesen und Sudbrack aus Gellershagen zu der ersehnten Bestätigung. So ist das Jahr 1903 als Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Gellershagen-Theesen anzusehen. Dieser Löschabteilung gehörten einige Theeser an, im Jahre 1907 war denn auch der Tischler Wilhelm Engelbrecht aus Theesen Löschabteilungsführer. Im gleichen Jahr entstand auch aus dieser Wehr eine Feuerwehrmusikkapelle, die mit Unterbrechungen bis zum Jahr 1934 Bestand hatte.

Feuerwehr Theesen 1933

Die Gebietsreform 1930 und ihre Folgen für die Feuerwehr in Theesen

Dass die Freiwillige Feuerwehr Theesen jünger datiert wird, liegt an der Gebietserweiterung der Stadt Bielefeld. Im Zuge der Eingemeindung Gellershagens und „Untertheesens“ zur Stadt Bielefeld im Jahre 1930 entstand das Bedürfnis, in „Obertheesen“ zur besseren Brandbekämpfung eine eigene Abteilung zu gründen. Oskar EckholtSo ließ der ehemalige Amtsbrandmeister Flöter durch den allseits aktiven Theeser Bürger Eduard Brünger - besser bekannt unter dem Namen „Hindenburg“, da er während des ersten Weltkrieges unter demselben gekämpft haben und auch sonst der militärischen Tradition sehr verbunden gewesen sein soll - zu der konstituierenden Versammlung am 15. Januar 1930 in die Gaststätte Ostmann (heute: Krug zum grünen Kranze) einladen. Bei dieser Gründungsversammlung konnten 49 aktive und 7 passive Kameraden geworben werden. Zum ersten Brandmeister wurde der Kamerad Oskar Eckholt gewählt, sein Stellvertreter wurde Wilhelm Schlömann, der durch seine lange Tätigkeit in der Vorgängerwehr Gellershagen-Theesen die notwendigen Erfahrungen mitbrachte. Die aus Schildesche zur Verfügung gestellten Geräte, so auch die am 03. Mai 1930 mit einem Festzug übernommene Handdruckspritze (sog. Abprotzspritze, Baujahr 1882), wurden bei dem Kameraden Meyer-Dietrich (heute Schulte-Döinghaus) untergestellt. Zum Einsatz musste einer der Landwirte für die Spritze ein Pferdegespann zur Verfügung stellen.

Handdruckspritze LA TheesenNachdem eine Feuerwehr-Unfallversicherung abgeschlossen wurde und nach einer Geldsammlung in der Gemeinde auch die Einkleidung der Kameraden erfolgte, begann die Abteilung ab dem 26. April 1930 mit intensiven Übungen. Außerdem organisierte sie am 21. und 22. Juni 1930 ihr Gründungs-Stiftungsfest auf dem Gelände der Gaststätte Ostmann, an dem neben der Feuerwehrmusikkapelle aus Gellershagen, die für die entsprechende Unterhaltung sorgte, acht auswärtige Abteilungen teilnahmen. Bei einer Zeppelinlandung in der Senne, die damals großes Aufsehen erregte, wurde die Theeser Wehr als Absperrmannschaft eingesetzt.

Das stetige Üben war auch von Erfolg gekrönt: Hatte man bis zum Wassergeben bei einer Übung am 01.06.1930 (5.30 Uhr) auf dem Hof Hattenhorst (heute von Hollen) noch 22 Minuten gebraucht, so waren es bei einer Alarmübung bei dem Kameraden Pöhl am 26.07. 1930 nur noch 20, bei der Alarmübung des Amtsverbandes bei der Weberei in Schildesche nur noch 18 Minuten. Dabei muß man sich das entsprechende Prozedere vorstellen: Zunächst erfolgte die Alarmierung durch Signalhörner, mit denen ein paar Kameraden ausgestattet waren. Nun galt es nach den geblasenen Signalen aus den Federn zu springen und sich der Uniform zu bedienen. Per Fahrrad oder zu Fuß musste die Brandstelle bzw. der Lagerort der Geräte aufgesucht werden. Zum Ziehen der bei Meyer-Dietrich abgestellten Spritze mussten, zumindest bei weiten Entfernungen, Pferde von den Landwirten aus dem Stall geholt werden und vor die Spritze gespannt werden. Dann galt es, bei aller Eile, am Einsatzort heile anzukommen – das war nicht immer selbstverständlich, so war z.B. bei einem Brand eines Kottens in Theesen am 08. März 1932 die Spritze einer auswärtigen Wehr unterwegs zusammengebrochen! Bei Ankunft am Einsatzort bzw. der Wasserstelle wurde die Spritze abgesetzt und schließlich von acht Mann gleichzeitig, je vier an einem Schwengel, betätigt. Angesichts dessen ist eine Zeit von 18 Minuten schon sehr passabel. Übrigens mussten auch Zivilisten (Schaulustige) bei den Pumparbeiten helfen.

Den ersten richtigen Brand hatte die Abteilung dann am 8. März 1931, als der sog. Leibzuchtskotten von Höner zu Drewer (an der heutigen Straße Am Johannisbach) in Flammen stand. In aller Frühe um 3.15 Uhr erfolgte die Alarmierung. Als Wasserentnahmestelle wurde der nahe gelegene Johannisbach in Anspruch genommen. Da der brennende Kotten noch unter Strom stand, musste die Lichtleitung gekappt werden, um weiteres Unglück zu verhindern. Die Alterskameraden schmunzelten, wenn darauf die Sprache kam, denn sie waren damals noch nicht richtig geschult gewesen. So kam es, daß das Kabel an der falschen Stelle, nämlich am Giebel, abgekniffen wurde und nicht am Lichtmast! Zum Glück passierte nichts. Die Möbel aus dem Haus konnten gerettet werden. Ein aus dem nahen Stadtgebiet herbeieilender Gendarm fragte, nach der Brandursache forschend, den obdachlos gewordenen Bewohner Thielke, ob Stroh auf dem Boden gewesen sei. Der hatte jedoch andere Sorgen: „Was kümmert mich das Stroh, ich will wissen, wo meine Würste sind.“ Den bekümmerten Familienvater konnte man bald beruhigen, die Feuerwehrmänner Gebrüder August und Heinrich Weber hatten die Würste im Gewühle noch rechtzeitig abnehmen und in einem Schubkarren im Gebäude „Langer Jammer“ gegenüber dem Kotten sicherstellen können. Das war ein Trost, denn der Kotten war nach dem Brand abbruchreif.
Zum Schluss gab es noch Schwierigkeiten. Es war sehr frostig und die Schläuche konnten nicht aufgerollt werden. Sie waren schnell steif gefroren und mussten im Stück auf den Feuerwehrleitern weggetragen werden, um auf einer großen Deele abzutauen und zu trocknen. Die Wehr hatte nämlich noch keinen Steigerturm, in dem man die Schläuche trocknen konnte. Schon bald nach der Gründung hatte man diesen Umstand bemängelt und Pläne für einen Steigerturm mit Gerätehalle entwickelt. Gerätehaus Theesen in den 1950erNach Meinungsverschiedenheiten bezüglich des richtigen Platzes konnte schließlich am 12. November 1932 das Spritzenhaus eingeweiht werden. Hierbei sorgte wieder die Feuerwehrmusikkapelle aus Gellershagen für die richtige Stimmung, und anschließend fand bei Lamker (Kahler Krug) eine Festversammlung statt.

Für die Versammlungen bot das Spritzenhaus natürlich nicht genügend Platz, lediglich die Spritze, die Schläuche und alle anderen Gerätschaften konnten dort untergestellt werden. Die Versammlungen fanden im Krug zum grünen Kranze und im Kahler Krug statt.

Unter den Nachbarwehren gab es hin und wieder bei Bränden Ärger, weil nicht genau geklärt war, bei wem die Befehlsgewalt beim Einsatz lag. Normalerweise lag sie bei dem Brandmeister der Wehr, in deren Gemeinde sich der Brand ereignete. Als am 28. August jedoch der Kotten der Familie Strathmann (heute an der Malachitstraße) brannte, mußte das unweigerlich zu Auseinandersetzungen führen, die am Einsatzort ausgetragen wurden. Das Problem lag nämlich darin, daß dieser Kotten zwar an der Grenze, aber dennoch auf Theeser Gebiet lag (dies war schon streitig), aber die Eigentümerfamilie Strathmann in Jöllenbeck wohnte! Man kann sich nun die Vorgänge an Ort und Stelle vorstellen! Zur Förderung der besseren Zusammenarbeit wurde schließlich am 5. Januar 1932 die Gründung des Amtsfeuerwehrverbandes Jöllenbeck vorgenommen. Dazu gehörten die Wehren aus Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf. Zum ersten Amtsbrandmeister wurde der Theeser Brandmeister Oskar Eckholt gewählt.

Die Feuerwehr Theesen in den Zeiten des Nationalsozialismus

Die im Zuge der Machtergreifung Adolf Hitlers sich schnell herausbildenden Veränderungen sind auch im Leben der Theeser Wehr abzulesen. Schon 1934 wurden an Dienstabenden Themen wie „ziviler Luftschutz“ und „mit welchen Mitteln Brandbomben zu löschen sind“ abgehandelt, ein Zeichen für die zunehmende Militarisierung. Außerdem wurde „von oben“ angewiesen, den Brandmeister nun als „Führer der Wehr“ zu bezeichnen. Der Brandmeister Oskar Eckholt, der schon im ersten Weltkrieg als aktiver Soldat gedient hatte, meldete sich 1934 zur Wehrmacht zurück. Sein Nachfolger als Brandmeister wurde der Kamerad August Nolting. August Nolting
Ihm stand die nicht einfache Aufgabe zu, die Abteilung während des Krieges zusammenzuhalten. Viele Kameraden wurden eingezogen, und so mußten die älteren Kameraden die Dienste versehen. Einige Male wurden sie zu Bränden nach Bombenangriffen in Bielefeld gerufen. Der katastrophale Krieg bedeutete den Verlust von vielen Kameraden, die gefallen oder vermißt sind.

Die Ausrüstung hatte sich in der Zwischenzeit verbessert. 1935 konnte ein ausgedienter Lastwagen erworben werden, der zu einem Mannschaftswagen für 12 Personen ausgebaut wurde. Die Handdruckspritze konnte angehängt werden. Mit diesem Fahrzeug hatte man jedoch keinen guten Fang gemacht. Es wird erzählt, daß man den Wagen oft erst den Köckerbrink hinunterschieben mußte, damit er ansprang, auch, wenn man die entgegengesetzte Richtung fahren wollte!

Die Handdruckspritze wurde 1940 durch eine Motorspritze ersetzt.

Die Nachkriegsjahre

Nach zwei Übergangsfahrzeugen (PKW Hanomag und PKW Horch acht Zylinder) erfolgte am 22. August 1953 die feierliche Übergabe eines richtigen Löschfahrzeuges LF 8 Opel-Blitz, das zum Teil mit Hilfe von Spenden und Darlehen aus der Theeser Bevölkerung finanziert wurde.

Das 25-jährige Bestehen der Wehr wurde im Zuge eines Amtsfeuerwehrverbandsfestes bei dem Wirt Schleisiek (Gaststätte Horstheide) im Juli 1955 gefeiert. Bei strahlendem Sonnenschein herrschte nicht nur bei der großen Schauübung bei Auto-Wöhrmann (Jöllenbeckerstraße/Ecke Schnatsweg) „Massen-Andrang“.Gustav Boeckstiegel

Als am 04.09.1957 der Kamerad August Nolting plötzlich verstarb, wurde Gustav Böckstiegel bis 1960 sein Nachfolger, und von da an dessen Schwiegersohn Hermann Kirchhoff. Ebenfalls 1960 erwarb die Abteilung eine Fahne. Bei einer feierlichen Veranstaltung traten nicht nur die Theeser, sondern auch die Kameraden der befreundeten Wehren an der Schule zur Fahnenweihe an. Anschließend zog man im großen Festumzug zum Ehremal auf dem Friedhof, um dort mit einer Kranzniederlegung der Toten der beiden Weltkriege zu gedenken.Hermann Kirchhoff

Eine besondere Auszeichnung erwarben sich die Kameraden im Jahre 1964. Sie belegten den ersten Platz bei einem Schnelligkeitswettbewerb auf Regierungsbezirksebene und führten den Siegerpokal mit nach Hause. Mit Recht sind unsere Alterskameraden noch heute auf diese Leistung stolz.

1972 hatte unser altes Fahrzeug ausgedient. Es wurde durch ein neues Löschfahrzeug Mercedes LF 8 mit Frontpumpe und einer Tragkraftspritze TS 8 ersetzt.

 

LF 8 Theesen

Nach längerer Planung konnte mit der Grundsteinlegung am 21.12.1975 der Anbau eines Gemeinschaftsraumes sowie sanitärer Anlagen am Gerätehaus beginnen. Dafür musste der alte Steigerturm abgerissen werden. Am 1. September 1976 fand mit musikalischer Unterstützung des Feuerwehrmusikzuges der Stadt Bielefeld die Einweihung statt. Gerhard SchroederZur Sicherung und guten Ausbildung unseres Nachwuchses war die Gründung der Jugendfeuerwehr am 04.04.1977 ein ganz wichtiges Datum.

Nach der Verabschiedung des Kameraden Kirchhoff in die Alters- und Ehrenabteilung übernahm der Kamerad Gerhard Schröder die Führung der Löschabteilung. Unter seiner Leitung fand das Fest zum 50. Jubiläum im Juni 1980 statt. Besonders die historische Schauübung am Hof von Hollen, bei der die Kameraden August Kreft und August Engelbrecht mit den Signalhörnern auf alten Fahrrädern und einige andere Kameraden mit einer alten Handdruckspritze zum Brandort eilten, wird vielen Theesern noch in lebhafter Erinnerung sein.

Die Feuerwehr in Theesen auf dem Weg in ein neues Jahrtausend

Der 08. September 1989 war wieder ein großer Feiertag für die Theeser Wehr. Das alte Löschfahrzeug wurde ausgemustert und wir erhielten ein neues Fahrzeug, ein LF 16/12, das der Löschabteilung auch heute noch gute Dienste leistet. Unter der Führung von Gerhard Schröder feierten die Kameraden 1994 im Zuge des Stiftungsfestes auch das Stadtfeuerwehrfest mit über 600 Kameraden aus ganz Bielefeld. Auf seine Anregung hatten die Kameraden einen zusätzlichen Clou beschlossen, nämlich ein Telefonkarte mit einer Auflage von 1000 Wilfried LandwehrmannExemplaren herauszugeben, die dann beim Fest einen reißenden Absatz fand. An das Gelingen dieses Festes anknüpfend, wurde im Jahr 2004 wieder ein erfolgreiches Stadtfeuerwehrfest in Theesen gefeiert, diesmal unter der Leitung des neuen Löschabteilungsführers Olaf Schwarze. Der hatte 1998 die Leitung der Wehr von dem Kameraden Wilfried Landwehrmann übernommen, der in die Alters- und Ehrenabteilung wechselte. Dieser wiederum war 1996 für zwei Jahre Löschabteilungsführer in der Nachfolge von Gerhard Schröder, als dieser die Altersgrenze von 60 Jahren erreichte. An der Gestaltung und Durchführung der Jubiläumswoche „850 Jahre Theesen“ im Jahr 2001 hatte die Feuerwehr ebenfalls einen wesentlichen Anteil.

2014 übergab Olaf Schwarze die Führung der Löschabteilung Theesen nach 16 Jahren an Jens-Uwe Bollmann. Auch ihm ist es gelungen, den Schwerpunkt der feuerwehrtechnischen Aus- und Fortbildung in eine funktionierende Gemeinschaft einzubetten, die in der Bevölkerung gute Unterstützung findet. Damit knüpft die aktuelle Löschabteilungsführung ohne weiteres an die gute Tradition ihrer Vorgänger an.

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